AD(H)S – Was wollen diese „Krankheitsbilder“ uns sagen?

In unserer Arbeit mit den Eltern von Kindern, die mit ADS oder ADHS diagnostiziert wurden, erleben wir oft eine sehr große Rat- und Hilflosigkeit.                                                Die Hoffnung, durch die Gabe von Medikamenten, wie z.B. Ritalin, eine Besserung zu erreichen, bleibt unerfüllt.

Im Gegenteil, die Persönlichkeit des Kindes verändert sich, und das macht Angst. Angst bei den betroffenen Kindern, Angst aber auch bei den Angehörigen.

Kürzlich las ich bei meiner Homöopathin im Wartezimmer einen Artikel, der mich anregte, meine Gedanken zum Thema niederzuschreiben.

Hier zunächst ein Auszug aus dem Artikel zu „ADHS – Ernährungstherapeutische Perspektiven“ im Paracelsus-Magazin Heft 6/2013 ….

„ADHS – eine fabrizierte Erkrankung?

Schreiende und tobende Kinder außer Rand und Band, verzweifelte Eltern, ohnmächtige Pädagogen.                                                  Keine andere Erkrankung des Kindes- und Jugendalters rückte in der Vergangenheit so stark in den Fokus der breiten Öffentlichkeit wie das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom, kurz ADHS.“….

„Der ´wissenschaftliche Vater´ des ADHS, der amerikanische Kinderpsychiater Leon Eisenberg, sprach 2009 von einem ´Paradebeispiel für eine fabrizierte Krankheit´. Im Zuge dieser Kritik bezeichneten wichtige Wortführer ADHS als ´gesellschaftliches Konstrukt´. Die Symptomatik wird dabei als Folge der aktuellen Lebensumstände verstanden, was gerade vielen Pädagogen aus dem Herzen spricht. Auch Eisenberg hatte kurz vor seinem Tod angemerkt, dass ´die genetische Veranlagung für ADHS vollkommen überschätzt wird´ und ´psychosozialen Aspekten mehr Beachtung geschenkt werden sollte.“….

„ADHS – eine gekaufte Diagnose?

Das Thema ist noch aus einem weiteren Grund so brenzlig, denn mit der Diagnose ADHS wird sehr viel Geld verdient: Das Nürnberger Pharmaunternehmen Novartis, das das Medikament Ritalin herstellt, machte damit im Jahr 2010 einen weltweiten Umsatz von 464 Millionen US-Dollar.

Nach der Neuauflage des Diagnose-Handbuchs der American Psychiatric Association kam ans Licht, dass mehr als die Hälfte der Autoren der ADHS-relevanten Kapitel Einkünfte von der Pharmaindustrie erhielt. Neben Novartis und weiteren Pharmaunternehmen verdient am ADHS eine ganze Industrie, die Literatur, spezielles Spielzeug und weitere Produkte an die Eltern betroffener Kinder vertreibt.“…..

In diesem Artikel werden ernährungstherapeutische Perspektiven dargestellt. Diese gehören natürlich ebenso wie die Achtsamkeit im Umgang mit unseren Kindern dazu.

Im folgenden Text möchte ich jedoch näher auf die psychosozialen Aspekte eingehen.

Soziale Gegebenheiten und unser soziales Umfeld, die Herkunftsfamilie, Bezugspersonen, traumatische Erlebnisse, psychische Erkrankungen, schwierige Bewältigungsprozesse, Stress, Überforderung, Druck und andere Faktoren führen manchmal zu starken psychischen Belastungen, zu Krisensituationen oder Irritationen. Und das nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch schon bei unseren Kindern. Die können sich dann zeigen, indem ein Kind zum Beispiel „völlig außer Rand und Band gerät“ oder ein Kind sich traurig zurückzieht.

Um diese Seite von AD(H)S zu beleuchten, genügt oft erst einmal ein Gespräch mit der Familie. Hier können wir schauen, wie es der Herkunftsfamilie geht, ob und wann es welche schwierigen Bewältigungsprozesse gab und was das Kind so schreien und toben lässt.

Mit Hilfe der Methode des Aufstellens können wir anschließend sichtbar machen, was wirklich hinter dem Symptom des AD(H)S steht. Oft geht es um Nichtgeachtete oder Ausgeschlossene, die wieder in das Familiensystem integriert werden wollen.                                            Hierbei kann es sich durchaus auch um nicht mehr lebende Familienmitglieder handeln. Wenn diese Situationen sichtbar gemacht und wieder in die Ordnung gebracht werden, kann man häufig zuschauen, wie das Symptom verschwindet. Zu diesem Thema hat Dipl.- Psychologe Uwe Reißig ebenso einen Artikel veröffentlicht. 

Sicher mag diese Sicht auf AD(H)S ungewöhnlich, schier unglaublich anmuten. Doch aus unserer Erfahrung mit derartigen Aufstellungen zeigt sich dieser Weg als ein erfolgversprechender. Erforderlich dafür ist jedoch die Bereitschaft der Eltern, auf Medikamentengaben für das betroffene Kind zu verzichten. Auf diese Weise hätte das Kind dann die Chance auf ein seiner Persönlichkeit entsprechendes Leben.

Mit herzlichen Grüßen,

Manuela Hüller