Brustkrebs

Diagnose Brustkrebs – ein Drama nimmt seinen Lauf – und Du hast die Chance die Dramaturgie mit zu gestalten!

Krebs – vor dieser Diagnose haben 57 % aller Deutschen am meisten Angst. Im Kontext dieser Aussage steht die Aussage, 34% aller Deutschen haben von Therapiefortschritten bei Krebs gehört (Quelle: forsa, Umfrage Dezember 2011).

Für das Jahr 2014 wurde ein Wert der Neuerkrankungen bei Brustkrebs von 75. 200 Frauen und 600 Männern prognostiziert. In 2010 lag die Anzahl der registrierten Neuerkrankungen von Frauen bei 70.340 und von Männern bei 610.

Die Neuerkrankungen an Brustkrebs sind von 2000 bis 2010 um ca. 25% gestiegen, wobei die absolute Zahl der durch Brustkrebs registrierten Todesfälle im Durchschnitt bei ca. 17.372 pro Jahr blieb. In 2010 starben 17.463 Frauen an dieser Krankheit. Die höchste Erkrankungsrate liegt bei den Frauen zwischen dem 65. und 69. Lebensjahr. Hier wird bei 416 von 100.000 Frauen eine Neuerkrankung festgestellt (Quelle: Statistik des ZfKD – Zentrum für Krebsregisterdaten www.krebsdaten.de)

Mein Name ist Manuela, ich bin jetzt 50 Jahre alt und habe dieses Drama, wie so viele andere Frauen, auch erlebt.

Ich war damals 43 Jahre alt. Gemäß der Statistik war ich eine der 112 von 100.000 Frauen in Europa, bei der eine Neuerkrankung in dieser Altersgruppe festgestellt wurde.

Meine Mutter bekam 4 Jahre vor mir die Diagnose Brustkrebs. Sie war damals 59 Jahre alt. So hatte ich gezwungenermaßen damals die Gelegenheit, dieses Drama sozusagen als Beobachterin und hilflose Tochter mit zu erleben. Ich habe mit meiner Mutter, meinem Vater und meiner Schwester gelitten und war so hilflos, ich konnte nichts tun für sie.
Ich musste zusehen, wie meine Mutter sich von den Therapien immer nur schwer wieder erholen konnte. In Gedanken habe ich damals schon für mich beschlossen, sollte ich einmal diese Diagnose gestellt bekommen, dann werde ich keine Chemotherapie machen lassen.

Ende Juni 2008 wurde mir durch meinen Frauenarzt die gleiche Diagnose gestellt. Brustkrebs an der rechten Brust, genau wie bei meiner Mutter. Und trotz der vorgedachten Situation, wenn … dann, bin auch ich in ein tiefes Loch gefallen.
Der erste Verdacht beim Frauenarzt war bitter, doch er ließ noch einen Funken Hoffnung zu. Die Geschwulst könnte ja gutartig sein. Nach der Gewebeentnahme und dem Laborbefund stand jedoch fest, dass sie bösartig war.
Nun nahm für mich das gleiche Drama seinen Lauf. Und doch nicht genau das Gleiche, denn für mich stand fest: „Eine Chemotherapie lasse ich nicht machen.“ Dies habe ich meinem Frauenarzt und Onkologen auch sofort mitgeteilt.
Nun begann das, was ich heute als Dramaturgie bei der Diagnose Brustkrebs bezeichne.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Menschen bedanken, die mich auf diesem Weg begleitet haben, denn sie haben das für mich getan, was in ihrer Möglichkeit stand. So bin ich von Schulmedizinern, naturheilkundlich orientierten Ärzten, Homöopathie, Osteopathie und Menschen mit besonderen Fähigkeiten begleitet worden.

Doch zurück zur Dramaturgie bei dieser Diagnose, wohlgemerkt, der Schulmedizin steht nichts Besseres zur Verfügung! Und ich war zuerst bei einem Schulmediziner.

1.
Operation, vorrangig brusterhaltend, wird jedoch während der Operation geprüft anhand der Feindiagnostik, in der Regel wird mindestens ein Lymphknoten entfernt.
2.
Chemotherapie mit vielfältigen Nebenwirkungen, alle Körperzellen werden mit dem Präparat „behandelt“,
3.
und/oder Bestrahlung, für die Bestrahlung und weitere Behandlungen werden während der unter 1. genannten Operation Clips in den ehemaligen Tumorberiech implantiert
4.
Hormontherapie, da fast jeder Brustkrebs vom Hormonhaushalt abhängig ist

Meine Tochter hat nach meiner Diagnose bei ihrer Frauenärztin nachgefragt und daraufhin sofort ihre Pille abgesetzt, die Pille fördert das Entstehen von Brustkrebs!

Da ich im ersten halben Jahr in 2008 sehr viel an Gewicht verloren hatte, wurde meine Operation erst ca. 14 Tage nach Diagnosestellung durchgeführt. Meine Aufgabe bis dahin war auszuruhen und an Köpergewicht zuzunehmen. Mein Hausarzt Dr. B. Flechsig, ein Naturheilkunde-Arzt, sagte mir zu diesem Zeitpunkt einen Satz, der mir so viel Raum gegeben hat, dass ich mein Recht zur Mitgestaltung der Dramaturgie bei meinem Brustkrebs wahrnehmen konnte.

Der Satz war: „Sie haben jede Menge Zeit!“

Und so bin ich Schritt für Schritt gegangen, und mein Onkologe hat mich dies auch machen lassen. Danke!

Nach der Operation wird ein Ärztekonsilium einberufen. Diese Ärzte entscheiden anhand des Operationsberichtes, welche weiteren Verfahren angewendet werden sollen. Ich als betroffene Patientin wurde jedoch daran nicht beteiligt.

Als ich den „Beschluss“ des Ärztekonsiliums zur Kenntnis bekam, konnte ich mich trotz aller Angst zu meinen Bedenken äußern, so dass ich mir Zeit erbeten habe um mich zu informieren und dann erst zu entscheiden. Es wurde aufgrund des kleinen Ausmaßes der Geschwulst durch die Kommission zugestimmt, dass keine Chemotherapie erfolgen sollte, doch Bestrahlung und Hormontherapie sollte ich erhalten.

Zwischenzeitlich hatte ich mich mit dem Thema Krebs ausführlich befasst. Meine Tochter studierte Medizin und sie hat mir als Laie das Prinzip der Krebsentstehung erklärt. Es ist eine sehr einfache Darstellung, doch ich möchte sie hier gern wiedergeben.

In jedem von uns gibt es Krebszellen, sogenannte entartete Zellen. Wenn unser Immunsystem in Ordnung ist, dann werden diese entarteten Zellen entsorgt und es ist alles weiterhin in Ordnung. Wenn jedoch unser Immunsystem geschwächt ist, dann kann es sein, dass die sogenannten Killerzellen diese entarteten Zellen nicht mehr entsorgen können. Eine Schwächung des Immunsystems kann viele Ursachen haben. Sie tritt unter anderem auf, wenn zu wenig Sauerstoff in den Zellen ist und wir zu viel Stress haben. So schaltet, insbesondere aufgrund des Sauerstoffmangels im Körper, in den entarteten Zellen die Verbrennung auf Gärung um. Gärung ist eine stoffliche Veränderung biotischer Stoffe in Abwesenheit oder Gegenwart von Luft, die mit erkennbaren Veränderungen der Masse einhergehen.

Mit diesem Wissen habe ich mich gefragt, was kann ich ändern? Ich hatte mir bisher wenig Gedanken über meine Ernährung gemacht. Doch wenn man sich mal die Zeit nimmt, um die Inhaltsstoffe der einzelnen Produkte anzuschauen, dann erkennt man viele sogenannte Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und Aromen, die künstlich – chemisch sind, in unserer Nahrung. Durch den von der Werbung verbreiteten Schlankheitswahn, lässt man sich oft animieren, Light-Produkte zu kaufen. Hier werden Zuckerersatzstoffe eingesetzt, die noch schlimmere Wirkung haben als raffinierter weißer Zucker. Unsere Nahrungsmittel bestehen überwiegend aus chemisch ergänzten Produkten. Viele davon sind nicht einmal mehr lebendig, also keine „Lebensmittel“, zumal die Wirkung einer Mikrowelle oft noch ihres dazu tut.

Also habe ich zuerst einmal meine Ernährung umgestellt. Nur noch wenige Ausgangsprodukte, die, soweit es eben geht, ohne Chemie sind. Keinen (raffinierten) Zucker mehr, viel Gemüse, wenig oder kein Fleisch und vor allem gute Fette! Ein hilfreicher Begleiter war dabei das Buch von Dr. Johanna Budwig – das Prinzip der guten Fette – mehr Informationen dazu unter www.dr-johanna-budwig.de. So habe ich auch die Lust am Kochen für mich wieder entdeckt. Doch das war nur die eine Seite der Medaille.

Eine Erkrankung, und vor allem eine chronische Erkrankung, braucht auch immer noch den Blick in die seelische Seite. Mein Hausarzt hat das schön formuliert. Ein Symptom, also die entartete Zelle, möchte dir eine Botschaft übermitteln. Die Schulmedizin wählt den Weg des „Wegmachens“. Es wird operiert, weggeschnitten oder weggedrückt mit Medikamenten. Bei einer ganzheitlichen Betrachtungsweise, wird gefragt, was will mir die Krankheit sagen? Ausgangspunkt dieser Überlegung ist, dass wir eine Einheit von Körper, Geist und Seele sind. Doch unsere Seele kann sich nur über unseren Körper ausdrücken. Also sendet Sie uns ein Symptom. Und wenn wir diesen „Boten“ anhören, dann kann oft das Symptom gehen, ohne dass wir unseren Körper weiter belasten.

An dieser Stelle meine Dramaturgie im Zeitverlauf:
Nach der Operation im Juli 2008, die sehr gut verlaufen ist, konnte ich relativ schnell das Krankenhaus verlassen. Ich begann mit Gymnastik und Muskeltraining im Fitnessstudio. Mir ging es nach ca. 8 Wochen wieder richtig gut.
Ich hatte mich in der Zwischenzeit im KID – Krebsinformationsdienst Heidelberg -beraten lassen. Die Ärztin hat sich am Telefon viel Zeit für mich genommen. Die Grundaussage war: „Es kann Ihnen keiner eine Garantie geben. Es hängt davon ab, wie Sie damit umgehen können“.

So habe ich mich entschlossen, die Bestrahlung machen zu lassen. Ich hatte einfach Angst, dass es zu einer Ausbreitung kommen könnte, obwohl keine Metastasen gefunden worden waren. An diesem Punkt war ich damals noch sehr unsicher.

Kurz nachdem die Bestrahlung begonnen hatte, war ich so erschöpft, wie in meinem Leben noch nie. Ich konnte nicht einmal mehr die Taxi-Fahrt von der Klinik nach Hause wach bleiben. Und ich habe mich damals nicht getraut, die Bestrahlung abzubrechen, obwohl ich spürte, dass es mir damit nicht gut ging. Mein Hausarzt begleitete mich mit Vitamingaben, die kurzzeitig halfen. Doch die totale Erschöpfung blieb. Obwohl andere Patientinnen sagten, dass die Bestrahlung gar nicht so schlimm gewesen sei, konnte ich mich einfach nicht erholen. Doch diese Frauen hatten oft vorher die Chemotherapie erhalten. So war wohl ihr Körper schon einiges „gewohnt“. Heute weiß ich, dass ich in gewisser Weise strahlenkrank war.

Ich habe mich gegen die Einnahme von Tamoxifen entschieden, noch bevor die Bestrahlung begann. Mein Onkologe hat das nach einigen Gesprächen auch mitgetragen. Meine Werte waren so, dass die größte Wahrscheinlichkeit vorlag, dass über die Hormone wieder eine Entartung entstehen könnte. Doch auf die Frage, wie das denn nach fünf Jahren – das ist die Dauer der Einnahme – aussehen würde, konnte er mir auch keine Antwort geben. Ganz abgesehen von den möglichen Nebenwirkungen dieses Medikaments.

Am Ende des Jahres 2008, nach Abschluss der Bestrahlung, wurde ich von meinem Hausarzt angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, an einem Seminar teilzunehmen. Es nannte sich „Krankheit als ordnendes Prinzip“. So lernte ich an diesem Wochenende das Aufstellen als Methode der systemischen Fallarbeit kennen. Wie versteht man die Botschaft des Symptoms, der Krankheit? Was mir erst viel später bewusst wurde, war, dass ich schon wieder beim nächsten Thema war, ohne wirklich die Botschaft verstanden zu haben. Ein lieber Kollege sagt mir einmal: „Du bist wie ein Porsche, der immer auf der Überholspur fährt.“ Jetzt bin ich ein „gereifter“ Porsche der auf der rechten Spur fährt und ab und zu eine Pause einlegt… man könnte auch sagen, das Leben genießt!

Oft ist die Botschaft von Krebserkrankungen, dass etwas aus der Balance geraten ist. Eine Sichtweise ist die, dass du nur für andere da bist und nicht für dich! Das war ein Teil der Botschaft an mich. Ich durfte lernen, dass es überlebenswichtig ist, dass ich gut für mich sorge, damit es mir gut geht. Und dann kann ich auch für andere da sein. Das heißt natürlich auch, dass man damit durchaus auch Dinge tut oder entscheidet, die für andere nicht nachvollziehbar sind. Zumal man bisher ja so eine liebevolle, treusorgende, gutmütige, wohlwollende Frau, Kollegin, Tochter, Mutter etc. war. Das war ich auch, doch eben nicht mir selbst gegenüber.

In einem Beitrag über seine Arbeit mit Krebspatienten sagte Dr. Wolf Büntig: „Viele meiner Patienten sagen, wenn sie diese Diagnose bekommen: ´Ich habe noch nicht gelebt! ´ Hier wird die Verantwortung für die Gesundheit mit der Schuld für die Krankheit verwechselt.“ Gesundheit des Menschen ist laut Weltgesundheitsorganisation „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“

Dr. Wolf Büntig beschreibt es mit der Balance von „lassen“ und „sein lassen“. Leben ohne Wertung, ohne Moralbegriffe, anerkennen, was ist. Ein autonomer Mensch ist ein gehorsamer Mensch. Er hört auf das, was ihm das Leben, Gott … sagt. Leben ist Bewegung – Autoaggression ist Krankheit. Der Körper drückt aus, was nicht gesagt werden darf.

Das war für mich ein wesentlicher Schlüssel bzw. führte zu folgenden Schlüsselfragen.

Was brauche ich zum Leben?
Wie will ich leben?
Was tut mir gut, was tut mir nicht gut?
Wer bin ich? Was will das Leben von mir?
Wie lerne ich wieder zu fühlen, um zu wissen, was ich brauche?

So habe ich mein Leben völlig umgestellt. Es war nicht immer einfach, auch für die anderen in meinem Umfeld nicht. Insbesondere für meine Eltern, denn sie haben meine Veränderungen nicht verstanden, ja sogar mich nicht mehr verstanden. Die Tochter, die sie doch so gut zu kennen glaubten.
Doch heute kann ich sagen, es hat sich gelohnt. Ich fühle mich rundum gesund und spüre wieder, wenn mein Körper, mein Geist oder meine Seele etwas brauchen.

Was ich in all den Jahren gelernt habe, ist, sorge gut für dich! Ein anderer Mensch kann das nicht. Kein Arzt, kein Heilpraktiker, keine Mutter, kein Vater, kein Partner kann dir diesen Weg und diese Entscheidungen abnehmen. Denn es ist dein Leben und nur du bist dafür verantwortlich!

Hier noch ein Gedicht, das auf meinem Weg zu mir entstanden ist, im Seminar „persönliche Präsenz“ bei Thomas Prattki im März 2012.

Die Quell
grau, im Nebel, Ruhe
wie Schlaf, ein sanftes Wiegen,
grau, im Nebel, Leere,
bodenloser Fall, ein erster Schrei,
grau, im Nebel, ein Beben, bröckeln, brechen
grau im Nebel, N E B E L, spiegelt sich, L E B E N, im Leben?
auf und ab, hin und her, Bewegung
schnell und langsam, bodenlos und doch
Gehalten, aufgewacht und angeschaut
offen und unendlich, fest und ohne Form
gefunden auf der Meere Grund, verborgen
und doch immer da, unsichtbar und
doch präsent des Lebens Quell im Firmament.

von Manuela Hüller

 

Ich mache allen Mut, die mit der Diagnose Krebs konfrontiert werden, sich dieser Herausforderung ganzheitlich zu stellen. Und ich meine hierbei nicht nur den betroffenen Menschen, sondern auch alle Angehörigen und Freunde um ihn herum.
Das Gespenst Krebs verbreitet Angst. Und diese Angst wird genutzt um Geschäfte zu machen.
Doch jeder Mensch darf für sich selbst entscheiden, ob und wie er mit sich und seinem Körper umgeht. Dieses Recht haben alle Menschen!

Dr. Wolf Büntig spricht in einem seiner Interviews von der notwendigen Stärkung der Eigenverantwortung des Patienten. Ich lade Sie ein, sich dieser Denkweise zu nähern, damit wir nicht mehr in Angst versinken und wir uns anderen ausliefern, sondern wieder lernen, uns wahrzunehmen und unser Gesundwerden und Leben zu gestalten.

Herzlichst,
Manuela Hüller